Weberei

In unserem Museum befindet sich eine weltweit einzigartige Webmaschinensammlung. Bestaunen Sie anhand von 6 laufenden Websystemen wie aus Garn ein Stück Stoff produziert wird.

Ausstellung

Interessant und abwechslungsreich wird die 150-jährige Geschichte der Webmaschinenentwicklung in der Schweiz präsentiert. Gezeigt werden über 100 Objekte auf 800 Quadratmeter Ausstellungsfläche als Zeugen einer bewegten und spannenden Industriegeschichte.

Erfahren Sie wie damals und heute Stoff produziert wird und bestaunen die faszinierende Technik an laufenden Maschinen. Von allen Websystemen der letzten 150 Jahre sind 25 lauffähige Maschinen vorhanden die nach Bedarf durch fachkundiges Personal erklärt oder in vollem Umfang demonstriert werden können. Lehrreich für Kinder, Erwachsene, Schulen sowie Textil- und Technik begeisterte.

Bestaunen Sie alle existierenden Schusseintragssysteme: Vom Schützenwebstuhl über die Projektil-Webmaschine, Greifer-Webmaschine, Luftdüsen-Webmaschine bis hin zu den Raritäten wie die Wellenfach-Webmaschine sowie die Reihenfach-Webmaschine, die es nur noch in der Webmaschinensammlung des Museums Neuthal im laufenden Zustand zu besichtigen gibt.

Nur durch den unermüdlichen Einsatz von vielen Fachspezialisten ist es möglich, die komplexe Mechanik der Webmaschinen am Laufen zu halten.

Geschichte

Seit tausenden von Jahren bis heute werden Stoffe auf Handwebstühlen hergestellt. Aus Ägypten ist eine Modellszene bekannt, die das Weben mit horizontalen Webrahmen zeigt. Im 2. Jahrhundert wurde in China ein Webstuhl bekannt an dem der Weber die Webschäfte durch das Treten auf Pedalen beherrschte, die mit Schnüren verbunden sind. Im 16. Jahrhundert entwickelte man die ersten maschinellen Webstühle die meist wassergetriebenen Bandmühlen. Diese Bandmühlen dienten zur Produktion gewebter Bänder.



Vielerorts entstanden über Jahrhunderte hinweg sogenannte Hauswebereien, die eine zusätzliche Erwerbsquelle in Heimarbeit ermöglichten. Die Industrialisierung führte dazu, dass all jene, die vorher in Heimarbeit Stoffe webten, entweder arbeitslos wurden oder in Fabriken arbeiten mussten.



Webmaschinen veränderten jedoch nicht nur die soziale Realität der Menschen, sondern auch die Produkte selbst: Die kunsthandwerkliche Gestaltung wurde durch technisch perfekte Muster ersetzt. Exklusive Luxusartikel wurden zu bürgerlichen Konsumgütern und Massenwaren.

Wussten Sie, dass die Schweizer Textilmaschinenbauer noch bis in die 80er Jahre des 20. Jahrhunderts führend in der Herstellung von Webmaschinen waren? Noch heute laufen weltweit in über 70 Ländern Webmaschinen, die in der Schweiz produziert wurden.



Maschinenfabrik Rüti

Seit 1942 sammelte die Maschinenfabrik Rüti Exemplare ihrer Webmaschinen-Produktion, um ihren jungen Konstrukteuren die Entwicklung des Webmaschinenbaus näher zu bringen.
Nach der Einstellung der Produktion in Rüti war der Erhalt dieser einzigartigen Sammlung gefährdet. 2010 fand diese Sammlung von Rüti-Webmaschinen und verwandten Produkten im Neuthal seine definitive Bleibe.

Edmund Cartwright

1785 patentierte der Engländer Edmund Cartwright einen vollmechanisierten Webstuhl, der sogenannten Power-Loom, bei dem die drei verschieden Grundbewegungen des Webens, nämlich das Heben oder Senken der Schäfte, das Eintragen des Schusses durch das Webschiffchen und das Anschlagen der Lade, einem gemeinsamen Antrieb übertragen wurde. Von seiner Erfindung, der Power-Loom wurden in England 250 000 Stück verkauft.

Joseph-Marie Jacquard

Entscheidend für eine deutliche Leistungserhöhung bei der Herstellung von gemusterten Geweben und der Einsparung von Arbeitskräften war die Erfindung einer Fachbildevorrichtung durch Joseph-Marie Jacquard, die nach ihm Jacquardmaschine benannt wurde. Dabei lehnte sich Jacquard an eine schon vorher entwickelte Mustertechnik an, aber erreichte durch Verändern und Bereichern der Technik eine unanfechtbare Originalität. Diese Jacquardmaschine erreichte letztendlich 1808 ihre Vollkommenheit und fand damit rasche Verbreitung, so dass bereits 1812 in Frankreich 18’000 Webstühle mit dieser Technik ausgestattet waren.

Webtechnik

Beim Weben werden zwei Fadensysteme rechtwinklig miteinander verkreuzt – die in Längsrichtung verlaufenden Kettfäden und die quer dazu laufenden Schussfäden.

Die Kettfäden liegen dabei geordnet und gespannt nebeneinander.

Die dicht aneinander liegenden Schuss- und Kettfäden bilden das Gewebe.

Websysteme

Handweben

Im Gegensatz zur mechanischen Weberei wird beim Handwebstuhl das Weberschiffchen mit der darin liegenden Schusspule mit Muskelkraft und Schwung in das Webfach eingetragen. Die Fachbildung, das heisst das Heben und Senken der Webschäfte erfolgt ebenfalls durch Muskelkraft mit Fusspedalen.



Schützen

Die Schützenwebmaschine trug einen wesentlichen Bestandteil zur industriellen Revolution in den letzten 200 Jahren bei. Der Webschützen ist der zentrale Teil einer Schützenwebmaschine. Er enthält die Schusspule mit dem darauf aufgewickelten Garn. Der Webschütze mit der Spule vom Schussgarn wird vom Schläger durch das Webfach transportiert.


Projektil

Perfektes Zusammenspiel von technischen Komponenten mit ausgereifter Technik zeichnen die Projektil Webmaschine aus.  Dabei fliegt das Projektil das den Schussfaden klemmt mit hoher Geschwindigkeit durch eine Führung und bringt so den Schussfaden an das andere Ende des Webfaches. Im Einsatz stehen Projektil Webmaschinen heute vor allem wo breite, schwere und technische Gewebe gewebt werden.

Greifer

Der Greifer bringt das Schussgarn zur Mitte vom Gewebe wo es dann vom rechten Greifer übernommen wird um den Schussfaden an das andere Ende vom Gewebe zu transportieren.

Air Jet

Das Schussgarn gelangt durch eine präzis gesteuerte Luftströmung in den Führungskanal des Webblattes genannt Tunnelblatt. Hier wird das Garn durch die Luftströmung mit den sogenannten Staffetendüsen bis zur gegenüberliegenden Gewebeseite transportiert.

Mehrphasen

Schon in den 70er Jahren  überlegte man wie man die Produktionsleistung einer Webmaschine optimieren kann.  Die Idee mehrere Schussgarne gestaffelt und kontinuierlich eintragen zu können, wurde mit dem sogenannte Mehrphasen Schusseintrag entwickelt.

Gewebe – die 3 Grundbindungen

Leinwand- oder Tuchbindung
Die wohl älteste Webtechnik, dürfte die Leinenbindung (auch Tuchbindung genannt) gewesen sein. Der Schussfaden wird abwechseln über und unter dem Kettfaden durchgewoben. Beide Seiten des Stoffes sehen daher gleich aus.

Köperbindung
Bei der Köperbindung werden beim Verweben jeweils mindestens 2 Kettfäden ausgelassen und nach jeder Reihe wird dieser Vorgang seitlich verschoben. Das ergibt einen Schrägen Grat, der den Stoff sehr widerstandsfähig macht, wie zum Beispiel der allseits bekannte Jeansstoff.

Atlasbindung
Bei der Atlasbindung webt man unter einem Kettfaden hindurch und über vier hinweg. Das Ganze wird in der nächsten Reihe um zwei Kettfäden verschoben. Das Wichtigste bei der Atlasbindung ist, dass kein Bindepunkt einen andern Bindepunkt berührt. Die kleinste Atlas Bindung ist somit der 5er Atlas.

Führungen

Ablauf: Führungen für Gruppen von ca. 10-20 Personen dauern 1 ½ h und behandeln folgende Themen:

Kurze Einführung in die Industriegeschichte des Zürcher Oberlands und des Tösstals.

Informationen über das Grundprinzip des Webens und die Entstehung der verschiedenen Schusseintragssysteme.

Führung durch die Sammlung von Webmaschinen der Baujahre 1860 bis 1996 und der Entwicklungsgeschichte vom Handwebstuhl bis zum modernsten Webverfahren.